European Vegetarian Union News - medizinischen Kosten 2
Die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten
NEAL D. BARNARD, M.D., ANDREW NICHOLSON, M.D., und Jo LIL HOWARD
Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)
5100 Wisconsin Avenue, N. W., Suite 404, Washington, DC 20016
English - Aus EVU-News, Ausgabe 1/1997 - Français
- Teil 1: Überblick / Einführung / Methoden
- Teil 2: Ergebnisse - diese Seite
- Teil 3: Diskussion
ERGEBNISSE
Hypertonie - Herzkrankheit - Krebs - Diabetes - Erkrankungen der Gallenblase - Übergewicht - Lebensmittelvergiftung - Verminderte Inanspruchnahme von Gesundheitspflegeleistungen bei Vegetariern - Dem Fleischkonsum zuzuschreibende KostenHypertonie
Schätzungsweise 62 770 000 Amerikaner haben hohen Blutdruck (bzw. werden deswegen behandelt), definiert als systolischen Druck von 140 mm Hg oder höher und/oder diastolischen Druck von 90 mm Hg oder höher. Die Kosten für die Behandlung von Bluthochdruck im Jahre 1992 wurden wie folgt geschätzt: Leistungen von Ärzten/Krankenschwestern:
Die Forscher versuchten, die Auswirkungen der Ernährung auf den Blutdruck und die Prävalenz von Hypertonie durch randomisierte und kontrollierte Tests zu isolieren und indem sie Bevölkerungsgruppen untersuchten, die sich, von der Ernährung abgesehen, in allen Punkten ähneln.
Die meisten Mormonen meiden Tabak, Alkohol und Koffein, sind im allgemeinen gesundheitsbewußt, und sie sind Omnivoren. Wie die Mormonen meiden nahezu alle Adventisten Tabak, Alkohol und Koffein, aber rund die Hälfte von ihnen sind Omnivoren, während die anderen Vegetarier sind. Manche Omnivoren unter den Adventisten ließen sich vielleicht treffender als Semivegetarier bezeichnen. In einer Studie verzehrten weniger als 20% der Omnivoren unter den Adventisten drei oder mehr Rindfleischportionen zu 85 g pro Woche, und keine Person aß mehr als drei Portionen Geflügel oder Fisch pro Woche.
Ein Vergleich von adventistischen Vegetariern und mormonischen Omnivoren mit jeweils ähnlichem Grad an körperlicher Aktivität, die alle Tabak und Alkohol mieden, ergab höhere Blutdruckwerte bei den Omnivoren. Die Unterschiede betrugen 8 mm Hg systolisch und 6 mm Hg diastolisch bei Männern sowie 8 mm Hg systolisch und diastolisch bei Frauen. Der mittlere Body mass index (BMI) der Omnivoren (25,1 kg/qm) lag erheblich höher als der der Vegetarier (22,9 kg/qm), und es bestand eine deutliche Korrelation zwischen Körpergewicht und Blutdruck.
Ebenso zeigte sich, daß der systolische und diastolische Blutdruck der adventistischen Omnivoren 3-9 bzw. 2-3 Punkte höher lag als der der adventistischen Vegetarier. Der Gebrauch von Salz, Alkohol und Tabak unterschied sich bei den beiden Gruppen nicht. Die Gewohnheiten hinsichtlich der körperlichen Ertüchtigung unterschieden sich bei weißen Omnivoren und weißen Vegetariern nicht, wenngleich sich bei Schwarzen zeigte, daß Vegetarier sich mehr Bewegung verschaffen und weniger dazu neigen, blutdruckregulierende Medikamente einzunehmen. Die mittleren BMI-Werte bei adventistischen Omnivoren (27,4 kg/qm bei Weißen, 31,4 kg/qm bei Schwarzen) waren höher als die der Vegetarier (24,6 kg/qm bei Weißen, 26,3 kg/qm bei Schwarzen). Eine rechnerische Berücksichtigung des BMI vermindert die Unterschiede im Blutdruck bei den beiden Ernährungsgruppen, beseitigt sie aber nicht. Ähnliche Unterschiede im Blutdruck wurden bei Vergleichen zwischen anderen Gruppen von Omnivoren und Vegetariern, die im Hinblick auf Alter, Geschlecht und körperliche Betätigung kontrolliert wurden, festgestellt.
Randomisierte und kontrollierte Versuche haben gezeigt, daß bei normotensiven oder hypertonischen Omnivoren nach Umstellung auf vegetarische Ernährung unter Beibehaltung anderer Faktoren des Lebensstils der systolische Blutdruck innerhalb von 6 Wochen um rund 5 mm Hg sinkt, wobei dieser Effekt unabhängig von Änderungen im Körpergewicht ist.
Von besonderer Bedeutung für die medizinischen Kosten sind Studien der Hypertonieprävalenz. Hypertonie ist unter Omnivoren verbreiteter als unter Vegetariern. Eine Studie, die auf einer 1976 durchgeführten Untersuchung von 27 766 Adventisten basiert, stellte nach rechnerischer Berücksichtigung von Alter, Tabakkonsum und Bildung fest, daß das relative Risiko von selbstangezeigter Hypertonie bei Omnivoren im Vergleich zu Vegetariern 1,75 bei Frauen und 1,74 bei Männern betrug (P < 0,001 bei beiden Geschlechtern). Der mittlere BMI der Omnivoren (25,7 kg/qm bei Männern, 25,2 kg/qm bei Frauen) lag höher als der der Vegetarier (24,2 kg/qm bei Männern, 23,6 kg/qm bei Frauen).
Eine spätere Studie adventistischer Omnivoren und Vegetarier, die sich im Hinblick auf Salz-, Tabak- und Alkoholkonsum oder Ertüchtigungsgewohnheiten nicht unterschieden, stellte ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck bei 37% der Omnivoren fest, gegenüber 14% bei den Vegetariern (P < 0,001). Eine nachfolgende Studie unter Adventisten ergab, daß bei Weißen blutdrucksenkende Medikamente von 22% der Omnivoren und 7% der Vegetarier eingenommen wurden, bei Schwarzen von 44% der Omnivoren und 18% der Vegetarier. Nach diesen beiden Vergleichen betrug die Hypertonieprävalenz bei Vegetariern 32% bzw. 41% der Prävalenz bei Omnivoren.
In einem randomisierten, kontrollierten 6wöchigen Interventionsversuch mit vegetarischer Ernährung bei hypertonischen Probanden sank der systolische Blutdruck bei 30% unter 140 mm Hg, gegenüber 8% bei den Probanden, die ihre gewohnte Ernährung fortführten. Bei einem Versuch mit veganer Ernährung bei Probanden, die Medikamente gegen Bluthochdruck einnahmen, konnten 20 von 26 Probanden die Einnahme von antihypertonischen Medikamenten innerhalb eines Jahres absetzen; zu diesem Zeitpunkt war der systolische Blutdruck seit dem Beginn der Studie bei 18 Probanden gesunken, bei 4 unverändert geblieben und bei 4 gestiegen. Der diastolische Blutdruck war bei 15 Probanden gesunken, bei 3 unverändert geblieben und bei 8 gestiegen.
Die Mechanismen, durch die eine vegetarische Ernährung den Blutdruck senkt, sind - ganz abgesehen von ihrer Wirkung auf das Körpergewicht - nicht geklärt. Die Wirkung ist unabhängig vom Salz- oder Fettkonsum und läßt sich durch das Vorhandensein oder das Fehlen eines Nährstoffes bzw. einer Gruppe von Nährstoffen allein nicht erklären.
Unterschiede in den Blutdruckwerten von der Größenordnung, wie sie typischerweise zwischen Omnivoren und Vegetariern bestehen, können einen beachtlichen Einfluß auf das Risiko von Herzerkrankungen ausüben. Eine Senkung des systolischen Blutdrucks von 5 mm Hg bei 55- bis 59jährigen Männern entspricht einer 7prozentigen Verminderung schwerer Koronarerkrankungen. Die Wirkung ist noch ausgeprägter, wenn die Umstellung früher beginnt. Eine Senkung des systolischen Bltudrucks von 5 mm Hg bei 35jährigen oder jüngeren Männern entspricht einem Unterschied von nahezu 10 mm Hg im Alter von 65 Jahren. Ein Unterschied dieser Größenordnung im Alter von 65 bis 74 Jahren entspricht, bei rechnerischer Berücksichtigung von Fettleibigkeit, einer 14prozentigen Verminderung des Risikos eines Herzanfalls.
Die höchste realistische Schätzung der Exzeßprävalenz von Hypertonie, die dem Fleischkonsum zuzuschreiben ist, ergibt sich aus den Studien von Hypertonieprävalenz bei Adventisten, die oben beschrieben wurde; sie reicht von 59% bis 68%. Eine konservative Schätzung ergibt sich aus dem randomisierten, kontrollierten Interventionsversuch, der oben angeführt wurde. Von den 30% der hypertonischen Probanden, die nach Umstellung auf vegetarische Ernährung zu normalen Blutdruckwerten zurückkehrten, konnte man bei 8% davon ausgehen, daß dies bei ihnen auch ohne Ernährungsumstellung eingetreten wäre; es handelte sich um die Zahl derer, deren Blutdruck sich bei Weiterführung einer uneingeschränkten Ernährung normalisiert hatte. Wenn davon ausgegangen wird, daß 22% - 68% der Behandlungskosten von Hypertonie dem Fleischkonsum zuzuschreiben sind, so belaufen sich die entsprechenden jährlichen medizinischen Kosten auf 2,8 - 8,5 Mrd. Dollar.
Herzkrankheit
Schätzungsweise 6 160 000 Amerikaner litten 1992 unter koronarer Herzkrankheit, definiert als Angina pectoris, und/oder neigten zum Herzinfarkt. Rund 45% der 1 500 000 Amerikaner, die jährlich einen Herzinfarkt erleiden, sind jünger als 65 Jahre.
Im Jahre 1992 wurden schätzungsweise 1 028 000 Herzkatheterisierungen, 468 000 Bypass-Transplantate der Herzkranzgefäße und 399 000 Eingriffe zur Entfernung von Blockierungen der Herzkranzgefäße durchgeführt. Die prozentualen Anteile dieser Eingriffe, die bei Personen im Alter von 65 Jahren und darüber durchgeführt wurden, betrugen 47,3%, 53,8%, bzw. 48,1%. Der American Heart Association zufolge setzten sich die geschätzten Kosten der Behandlung von Herzerkrankungen (in jeder Form) im Jahre 1992 wie folgt zusammen:
Leistungen von Ärzten/Krankenschwestern
Nach einer 1960 durchgeführten Studie unter 24 044 Adventisten zeigte sich eine Neigung zu Herzerkrankungen (in jeder Form) bei 5,1% der Omnivoren gegenüber 3,6% bei den Ovolaktovegetariern im Alter von 35 - 64 Jahren (P < 0,05), woraus sich ableiten läßt, daß 29% der Herzerkrankungen bei Omnivoren als exzessiv gelten können. In der Altersgruppe von 65 Jahren und darüber betrugen die Zahlen für Omnivoren und Vegetarier 19,1% bzw. 16,2%, woraus sich ein exzessives Auftreten von Herzerkrankungen bei Omnivoren von 15% ableiten läßt. Praktisch alle Probanden waren Nichtraucher. Aus der 1976 durchgeführten Studie unter 27 766 Adventisten ergab sich ein relatives Risiko für Erkrankungen der Herzkranzgefäße bei Omnivoren gegenüber Vegetariern von 1,46 bei Frauen und 1,33 bei Männern. Die Unterschiede sind bei beiden Geschlechtern signifikant (P < 0,001).
Unterschiede zwischen Omnivoren und Vegetariern in den Sterberaten aufgrund koronarer Herzerkrankungen ähneln den Unterschieden in den oben angeführten Prävalenzzahlen. Eine zwanzigjährige prospektive Studie kam zu dem Ergebnis, daß das relative Risiko für Personen unter 65 Jahren, an einer koronaren Herzerkrankung zu sterben, bei nichtvegetarischen Adventisten 1,62 im Vergleich zu vegetarischen Adventisten betrug. Bei den über 65jährigen betrug das relative Risiko 1,26. Ebenso ergab eine zwölfjährige Studie unter Kunden von Läden für Gesundheitskost, daß die standardisierte Sterblichkeitsrate bei Vegetariern (0,428) um 29% niedriger lag als bei Omnivoren (0,601) - obwohl das Risiko, an einer koronaren Herzerkrankung zu sterben, bei dieser Bevölkerungsgruppe ohnehin schon unterdurchschnittlich ist. Die mittleren Cholesterinwerte waren bei Omnivoren höher (5,78 mmol/Liter bei Männern, 6,12 mmol/Liter bei Frauen) als bei Vegetariern (5,27 mmol/Liter bei Männern, 5,67 mmol/Liter bei Frauen). Auch die mittleren BMI-Werte der Omnivoren (24,6 kg/qm bei Männern, 23,7 kg/qm bei Frauen) waren höher als die der Vegetarier (22,1 kg/qm bei Männern, 22,3 kg/qm bei Frauen). Die Daten wurden nicht in Altersgruppen geschichtet. Eine rechnerische Berücksichtigung des Tabakkonsums änderte nichts am Ergebnis. Eine weitere, über 12 Jahre gehende Studie mit Berücksichtigung des Tabakkonsums kam zu dem Ergebnis, daß die Todesfallrate aufgrund koronarer Herzerkrankungen bei Vegetariern im Vergleich zu Omnivoren 0,62 betrug (Vertrauensbereich = 0,41 - 0,91).
Verglichen mit Omnivoren weisen Vegetarier Gesamtcholesterinspiegel und LDL-Cholesterinspiegel auf, die 9 - 32% bzw. 7 - 37% niedriger sind (21, 23 - 29). Wenn Omnivoren sich für sechs Wochen vegetarisch ernähren, hat sich gezeigt, daß Gesamtcholesterinspiegel und LDL-Cholesterinspiegel um 3 - 11% bzw. 4 - 17% sinken.
Hodgson zufolge fallen 44,5% der Behandlungskosten für Herzerkrankungen bei Personen an, die unter 65 Jahre alt sind. Wenn man davon ausgeht, daß eine omnivore Ernährung für 29% der Herzerkrankungen in dieser Altersgruppe und für 19% der Herzerkrankungen bei den über 65jährigen verantwortlich ist, so belaufen sich die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden zusätzlichen Gesundheitspflegekosten auf 9,5 Mrd. Dollar jährlich.
Der Anteil von Herzerkrankungen, der sich der erhöhten Prävalenz von Hypertonie, Diabetes oder Fettleibigkeit bei Omnivoren zuschreiben läßt, ist in diesen Zahlen enthalten, nicht jedoch in den Schätzungen von Behandlungskosten dieser hier jeweils beschriebenen Beschwerden.
Krebs
Bei mehr als 1,2 Millionen Amerikanern wird jährlich Krebs diagnostiziert (ausgenommen Basalzellkarzinome, Schuppenzellkarzinome und in situ Karzinome außer denen der Blase), und mehr als 500 000 sterben an der Krankheit - jeder fünfte Todesfall in den Vereinigten Staaten. Die verbreitetsten Krebsformen in den USA sind Prostata-, Brust-, Lungen- und Kolorektalkrebs. Im Jahre 1990 betrugen die direkten medizinischen Kosten für die Krebsbehandlung 35,3 Mrd. Dollar.
Schon seit langem ist klar, daß ein Teil des Krebsrisikos Ernährungsfaktoren zuzuschreiben ist. Besonders beachtenswert sind Kolorektal- und Lungenkrebs. Kolorektalkrebs wird jährlich bei 152 000 Amerikanern diagnostiziert, 57 000 fallen ihm zum Opfer. Bei Frauen und Männern, die täglich Rind-, Schweine- oder Lammfleisch verzehren, tritt Darmkrebs 2,5 bzw. 3,6 mal so häufig auf wie bei Personen, die diese Produkte weniger als einmal monatlich verzehren. Die höheren Darmkrebsraten bei Omnivoren schreibt man den im Vergleich zu Vegetariern höheren Cholesterin- und Gallensäurespiegeln (insbesondere sekundärer Gallensäuren) im Darmtrakt zu.
Lungenkrebs wird jährlich bei 170 000 Amerikanern diagnostiziert, 149 000 fallen ihm zum Opfer. Die Lungenkrebsraten sind bei vegetarischen Bevölkerungsgruppen niedriger, selbst in Studien, die im Hinblick auf den Tabakkonsum kontrolliert wurden. Bei Nichtrauchern beträgt die Sterblichkeitsrate bei Adventisten im Vergleich zu Nicht-Adventisten 0,67 bei Männern und 0,42 bei Frauen. Auch Vergleiche zwischen adventistischen Omnivoren und Vegetariern stellten einen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und verstärktem Auftreten von Prostata- und Eierstockkrebs her. Die bei Vegetariern seltener anzutreffende Fettleibigkeit und der vermehrte Verzehr von Gemüse und Obst stehen im Einklang mit den Empfehlungen zur Verminderung des Krebsrisikos.
Nach den meisten Studien liegen die Krebstodesraten bei Vegetariern unter dem Bevölkerungsdurchschnitt. Eine britische Studie verglich jüngst vegetarische und nichtvegetarische Kontrollpersonen über einen Zeitraum von zwölf Jahren. Die Krebstodesrate von Vegetariern im Vergleich mit Fleischessern hatte ein Verhältnis von 0,61 (95% Vertrauensbereich 0,44 bis 0,84), bei rechnerischer Berücksichtigung von Tabakkonsum, BMI und sozio-ökonomischem Status. Die Berücksichtigung des BMI führt zu einer Unterschätzung der wahren Wirkung der Ernährungsweise. Diese Ergebnisse ähneln jenen einer früheren, elfjährigen deutschen Studie, die standardisierte Sterblichkeitsraten für alle Krebsformen von 0,48 bei Männern und 0,74 bei Frauen im Vergleich zur restlichen Bevölkerung feststellte. Das Rauchen ist nicht der Grund für die Unterschiede. Im Gegensatz dazu konnte die Untersuchung bei Adventisten im Jahre 1976 keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Krebshäufigkeit zwischen Omnivoren und Vegetariern feststellen.
Die höchste realistische Schätzung der dem Fleischkonsum zuzuschreibenden Krebsbehandlungskosten läßt sich aus den britischen und deutschen Studien über die Krebsmortalität ableiten. Wenn davon ausgegangen wird, daß die Unterschiede in den Sterblichkeitsziffern Unterschiede in den Behandlungskosten widerspiegeln und daß 40% der Krebsmortalität einer omnivoren Ernährung zuzuschreiben sind, so betragen die exzessiven jährlich dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten geschätzte 16,5 Mrd. in Dollar von 1992. Allerdings deutet die 1976 unter Adventisten durchgeführte Untersuchung darauf hin, daß eine bessere Einstufung von Vegetariern in der Krebsprävalenz nicht als Möglichkeit angesehen werden kann.
Diabetes
Annähernd 7,3 Millionen Amerikaner haben Diabetes mellitus, von denen die große Mehrheit nicht insulinabhängig ist. Die direkten medizinischen Kosten von Diabetes und seinen Komplikationen wurden für 1992 auf 45,2 Mrd. Dollar geschätzt. Von dieser Zahl stehen rund 6,2 Mrd. Dollar mit der Behandlung von Herzerkrankungen im Zusammenhang. Der Rest, 39 Mrd. Dollar, wird durch unkomplizierten Diabetes erforderlich sowie seine neurologischen, vaskulären, renalen, endokrinen und ophthalmologischen Komplikationen und andere Leiden, die bei Personen mit Diabetes disproportional auftreten.
Omnivoren weisen eine gesteigerte Prävalenz von Diabetes im Vergleich zu Vegetariern auf, wie aus Studien unter Adventisten vom Siebenten Tag hervorgeht. Die Form des Diabetes wird in solchen Studien nicht unterschieden. Insgesamt weisen Adventisten 45% der Diabetesrate der restlichen Bevölkerung auf. Eine 1960 durchgeführte Studie unter 25 698 Adventisten im Alter von 30 bis 89 Jahren stellte im Vergleich zu Vegetariern eine altersbereinigte Prävalenzziffer für diagnostizierten Diabetes von 1,9 bei nichtvegetarischen Männern (95% Vertrauensbereich 1,4 - 2,6) und 1,6 bei nichtvegetarischen Frauen (95% Vertrauensbereich 1,3 - 2,0) fest. Adventistische Omnivoren weisen ein gegenüber Vegetariern vermehrtes Auftreten von Übergewichtigkeit auf. Eine statistische Bereinigung um das Alter und den Prozentsatz des Idealgewichtes reduziert die omnivorischen/vegetarischen Prävalenzziffern leicht, und zwar auf 1,8 (95% Vertrauensbereich 1,3 - 2,5) bei Männern und 1,4 (95% Vertrauensbereich 1,2 - 1,8) bei Frauen. Nicht um das Gewicht bereinigte Werte eignen sich dagegen zur Einschätzung der Wirkung, die unterschiedliche Ernährungsweisen auf das Diabetesrisiko haben.
Eine über 21 Jahre gehende Mortalitätsstudie, von der diejenigen Versuchspersonen ausgeschlossen wurden, die schon zu Beginn bekanntermaßen zuckerkrank waren, stellte fest, daß das altersbereinigte Risiko, daß Diabetes als beitragende oder eigentliche Todesursache auf dem Totenschein eingetragen wird, bei männlichen Omnivoren 2,2 (95% Vertrauensbereich 1,5 - 3,4) und 1,4 bei Frauen (95% Vertrauensbereich 1,0 - 1,9) betrug.
Die 1976 unter Adventisten durchgeführte Studie stellte im Vergleich zu Omnivoren ein relatives Risiko für Diabetes, bereinigt um Alter, Tabakkonsum und Bildung, von 1,66 bei Frauen und 1,53 bei Männern fest. Beide Unterschiede sind signifikant (P < 0,001). Wie schon zuvor gesagt, lag der mittlere BMI bei omnivoren Probanden höher.
Klinische Tests mit vegetarischen und fastvegetarischen Ernährungsplänen, die auf Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst basierten, haben gezeigt, daß der Bedarf an Medikamenten bei Diabetikern häufig beträchtlich reduziert werden kann, ebenso wie die Häufigkeit von Neuropathie und Netzhautschädigungen. Allerdings wurden bei all diesen Studien kombinierte Interventionen, einschließlich körperlicher Betätigung, angewandt.
Annähernd 57% der Diabetespatienten sind Frauen. Wenn davon ausgegangen wird, daß die Diabetesbehandlung bei Männern und Frauen proportional zur Krankheitsprävalenz bei beiden Geschlechtern verteilt ist und daß Diabetes 1,5 - 1,9 mal häufiger bei omnivoren Männern und 1,6 -1,7 mal häufiger bei omnivoren Frauen als bei Vegetariern auftritt, so betragen von den 39 Mrd. Dollar für die medizinischen Kosten der Behandlung von Diabetes die exzessiven, dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten schätzungsweise 14,0 - 17,1 Mrd. Dollar.
Erkrankungen der Gallenblase
Im Jahre 1992 ließen sich nach der Untersuchung National Hospital Discharge Survey des National Center for Health Statistics 525 000 Amerikaner (360 000 Frauen und 165 000 Männer) ihre Gallenblase chirurgisch entfernen. Berichten zufolge betrugen die Krankenhauskosten für laparoskopische Gallenblasenentfernungen in den Jahren 1990 und 1991 pro Patient 4 726 Dollar in Virginia und 6 471 Dollar in Colorado, wonach sich die jährlichen Kosten für Cholezystektomien in Dollar von 1992 auf 3,2 Mrd. belaufen. Zu diesen Kosten kommen noch jene, die über die von laparoskopischen Eingriffen hinausgehen, wie diagnostische und Notfallmaßnahmen.
Eine Neigung zu Erkrankungen der Gallenblase ist bei Omnivoren häufiger festzustellen als bei Vegetariern. Die 1976 unter Adventisten durchgeführte Studie stellte fest, daß das um die Faktoren Alter, Tabakkonsum und Bildung bereinigte relative Risiko einer Neigung zu Gallenblasenerkrankungen im Vergleich zu Vegetariern bei Frauen 1,12 betrug (P < 0,01). Das relative Risiko für männliche Omnivoren im Vergleich zu Vegetariern betrug 1,08, war aber statistisch nicht relevant.
In einer Studie unter 632 britischen weiblichen Omnivoren und 120 weiblichen Vegetariern im Alter zwischen 40 und 69 Jahren wiesen 6,8% der Omnivoren eine Neigung zu Gallenblasenerkrankungen auf, im Gegensatz zu 1,5% der Vegetarierinnen. Sonographische Untersuchungen förderten zutage, daß weitere 17,8% der Omnivoren asymptomatische Gallensteine aufwiesen, gegenüber 10% der Vegetarier. Die Unterschiede zwischen Omnivoren und Vegetariern sind signifikant (P < 0,01). Nach einer statistischen Bereinigung um die Faktoren Alter und BMI betrug das relative Risiko von Omnivoren, Gallensteine zu entwickeln, im Vergleich zu Vegetariern 1,9 (95% Vertrauensbereich 1,1 - 3,3).
Übergewichtigkeit, die unter Omnivoren häufiger ist, wird mit einem erhöhten Risiko von Gallensteinen in Verbindung gebracht. Überdies lassen internationale Vergleiche vermuten, daß cholesterin- und fettreiche sowie faserarme Kost das Risiko von Gallensteinen erhöht.
Die Cholezystektomieprävalenz ist für die Schätzung der medizinischen Kosten relevant, während es asymptomatische Gallensteine nicht sind. Wenn davon ausgegangen wird, daß die Cholezystektomieinzidenz bei männlichen Omnivoren nicht höher als bei Vegetariern ist, und daß 11% der durch Cholezystektomien bei Frauen verursachten Kosten dem Fleischkonsum zuzuschreiben sind, so beliefen sich die entsprechenden Kosten auf 0,24 Mrd. Dollar. Wenn bis zu 75% der durch Cholezystektomien verursachten Kosten einer omnivoren Ernährung zuzuschreiben sind, wie die Daten der britischen Studie nahelegen, so belaufen sich die entsprechenden medizinischen Kosten auf insgesamt 2,4 Mrd. Dollar.
Übergewicht
Das National Center for Health Statistics (NCHS) definiert Übergewicht als einen BMI auf oder über dem 85. Perzentil bei Männern und Frauen im Alter von 20 - 29 Jahren. Dies entspricht einem BMI von 27,8 kg/qm (rund 24% über dem Idealgewicht) bei Männern und 27,3 kg/qm (rund 20% über dem Idealgewicht) bei Frauen. Der prozentuale Anteil von Erwachsenen im Alter von 20 - 74 Jahren, die den NCHS-Kriterien für Übergewicht entsprachen, stieg seit der 1976 - 1980 durchgeführten Untersuchung National Health and Nutrition Examination Survey II (NHANES) von damals 25,4% auf 33,3% laut NHANES III (1988 - 1991), was einem Anstieg von 31,1% entspricht. Die letztere Untersuchung ergab, daß 34,7% der Frauen und 31,3% der Männer übergewichtig sind.
Übergewicht erhöht das Risiko von Hypertonie, kardiovaskulären Erkrankungen, einigen Krebsformen, Diabetes und Erkrankungen der Gallenblase. Die medizinischen Kosten dieser Leiden wurden oben erörtert. Überdies trägt Übergewicht zu musculoskeletalen Störungen und vielen anderen Leiden bei. Nur die mit musculoskeletalen Erkrankungen im Zusammenhang stehenden Kosten werden hier genauer betrachtet. Die direkten Kosten für die Behandlung aller musculoskeletalen Störungen im Jahre 1980 wurden auf 13,1 Mrd. Dollar geschätzt. Wolf und Colditz schätzen, daß mindestens 10% der von musculoskeletalen verursachten Kosten der Fettleibigkeit zugeschrieben werden können.
Der mittlere BMI von Gruppen von Omnivoren liegt, wie aus Studien hervorgeht, die um die Faktoren Tabakkonsum und körperliche Betätigung bereinigt wurden, 1 - 5 kg/qm höher als der von Vegetariern.
Studien, die sich mit Übergewichtigkeit in verschiedenen Bevölkerungsschichten befassen, verwenden häufig Definitionen des Übergewichts, die von denen des NCES abweichen. Eine Studie unter 25 698 Adventisten stellte fest, daß die altersbereinigte Prävalenzziffer für Übergewicht, definiert als 30% oder mehr über dem Idealgewicht, im Vergleich zu Vegetariern 1,9 bei omnivoren Männern (95% Vertrauensbereich 1,6 - 2,1) und 1,6 bei omnivoren Frauen (95% Vertrauensbereich 1,4 - 1,7) betrug. Omnivoren und Vegetarier ähnelten sich im Hinblick auf Tabakkonsum, körperliche Betätigung und Alkoholkonsum.
Ein Vergleich von 5 728 britischen Vegetariern (Durchschnittsalter 38,7) und 5 015 Omnivoren (Durchschnittsalter 39,3) stellte fest, daß 27% der Omnivoren, aber nur 14% der Vegetarier, höhere BMI-Werte als 24 aufwiesen. Der Tabakkonsum war in beiden Gruppen auf ähnlich niedrigem Niveau.
Wenn davon ausgegangen wird, daß 10% der 13,1 Mrd. Dollar an medizinischen Kosten für musculoskeletale Störungen der Fettleibigkeit zuzuschreiben sind, und daß diese Kosten zwischen 1980 und 1992 infolge der vermehrten Prävalenz von Fettleibigkeit um 31% stiegen, und wenn die so entstandene Kostenschätzung von Dollarpreisen des Jahres 1980 auf Preise von 1992 korrigiert wird, so betragen die sich ergebenden, der Fettleibigkeit zuzuschreibenden Kosten für musculoskeletale Störungen 4,4 Mrd. Dollar.
Die oben erwähnte Studie unter Adventisten deutet darauf hin, daß 38% der Prävalenz von Fettleibigkeit bei Frauen und 47% bei Männern dem Fleischkonsum zugeschrieben werden können. Diese Zahlen ähneln den 48%, die sich aus der oben zitierten britischen Studie ableiten lassen. Wenn davon ausgegangen wird, daß die Behandlung von fettleibigkeitsbedingten musculoskeletalen Störungen proportional mit der Prävalenz von Fettleibigkeit einhergeht, so belaufen sich die geschätzten Kosten von fettleibigkeitsbedingten musculoskeletalen Störungen, die dem Fleischkonsum zuzuschreiben sind, auf 1,9 Mrd. Dollar.
Lebensmittelvergiftung
Die große Mehrzahl der Fälle von Lebensmittelvergiftung werden nie gemeldet, ja selbst behandelte Fälle werden häufig nicht exakt diagnostiziert. Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt, daß es im Jahre 1993 3,61 - 7,13 Millionen Fälle von Lebensmittelvergiftung gab, von denen 2,15 - 4,97 Millionen (59,6% - 69,7%) mit Fleisch- und Geflügelkonsum in Verbindung gebracht werden. Steahr und Roberts schätzen die medizinischen Kosten für Lebensmittelvergiftungen (aller Ursachen) auf jährlich 6 Mrd. Dollar in den Jahren 1987 - 1990. Wenn 59,6% - 69,7% der Kosten dem Fleisch- und Geflügelkonsum zuzuschreiben sind, so beliefen sich die jährlichen Kosten für diesen Zeitraum auf 3,6 - 4,2 Mrd. Dollar. Eine Anpassung an Dollar des Jahres 1992 bringt die Schätzung auf 4,7 - 5,5 Mrd. Dollar. Eine konservativere Schätzung stammt vom Economic Research Service des US-Landwirtschaftsministeriums, nach der sich die medizinischen Kosten von Krankheiten, die durch fünf Krankheitserreger (Salmonella, Campylobacter jejuni oder coli, Escherichia coli O157:H7, Listeria monocytogenes und Toxoplasma gondii) aus Fleisch- oder Geflügelprodukten verursacht wurden, für das Jahr 1993 auf 0,234 - 0,760 Mrd. Dollar beliefen. Eine Anpassung an Dollar von 1992 bringt die Summe auf 0,22 - 0,72 Mrd. Dollar.
Verminderte Inanspruchnahme von Gesundheitspflegeleistungen bei Vegetariern
Begrenzte Daten legen nahe, daß Omnivoren tatsächlich mehr Gesundheitspflegedienste in Anspruch nehmen als Vegetarier. Freeland-Graves stellte fest, daß von 150 jungen Vegetariern (Durchschnittsalter 25,8 Jahre, Altersgruppe 18 - 41) und 150 in Alter und Geschlecht entsprechenden Nichtvegetariern mehr als doppelt so viele Nichtvegetarier wie Vegetarier in den vorausgegangenen fünf Jahren im Krankenhaus gewesen waren (27% gegenüber 12%, P < 0,01) und daß doppelt so viele Nichtvegetarier wie Vegetarier rezeptpflichtige Medikamente einnahmen (22% gegenüber 11,3%, P < 0,05). Verglichen mit den Vegetariern enthielten sich die Omnivoren weniger häufig des Alkohols (12% gegenüber 32%) und waren eher Raucher (16,2% gegenüber 8,0%). Allerdings ist die Relevanz dieser Faktoren für Krankheiten bei diesen jungen Bevölkerungsgruppen vermutlich geringer, als sie es bei älteren Probanden wäre.
In einer anderen Studie wurde die Inanspruchnahme von Gesundheitspflegediensten und Medikamenten bei 27 766 Adventisten vom Siebenten Tag untersucht. Eine signifikant höhere Zahl von Omnivoren als von Vegetariern gab an, im vergangenen Jahr im Krankenhaus gewesen zu sein (9,2% gegenüber 7,2% bei Männern, P < 0,001; 13,3% gegenüber 11,9% bei Frauen, P < 0,01). Von den Omnivoren gaben 29,9% der Männer und 21,3% der Frauen an, daß sie keine regelmäßigen Medikamente einnehmen. Bei den Vegetariern waren diese Zahlen höher (70,3% der Männer, 57,3% der Frauen). Der Unterschied zwischen den beiden Ernährungsgruppen ist signifikant (P < 0,001). Omnivore Frauen hatten sich im Vergleich zu Vegetarierinnen in den vorausgegangenen zwölf Monaten auch eher einer Notoperation unterzogen (11,8% gegenüber 9,5%, P < 0,001). Omnivore Männer wurden im vorausgegangenen Jahr eher notgeröntgt (12,9% gegenüber 11,2%, P < 0,01). Diese Unterschiede blieben auch nach der Bereinigung um den Parameter Tabakkonsum bestehen. Wie schon zuvor angeführt, lag der mittlere BMI bei den Omnivoren beiderlei Geschlechts höher.
Dem Fleischkonsum zuzuschreibende Kosten
Die medizinischen Mehrkosten, die dem Fleischkonsum zuzuschreiben sind, werden nach dem proportionalen Anteil der vorgenannten Erkrankungen bei Omnivoren im Vergleich zu Vegetariern geschätzt und sind im folgenden aufgeführt.
Geschätzte, dem Fleischkonsum zuzuschreibende
medizinische Kosten, 1992 (in Milliarden)
- Teil 1: Überblick / Einführung / Methoden
- Teil 3: Diskussion
Deutsche Übersetzung von Marcel Fischer
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