European Vegetarian Union News - medizinischen Kosten 3
Die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten
NEAL D. BARNARD, M.D., ANDREW NICHOLSON, M.D., und Jo LIL HOWARD
Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM)
5100 Wisconsin Avenue, N. W., Suite 404, Washington, DC 20016
- Teil 1: Überblick / Einführung / Methoden
- Teil 2: Ergebnisse
- Teil 3: Diskussion - diese Seite
DISKUSSION
Die vorliegende Analyse zeigt, daß die dem Fleischkonsum zuzuschreibenden Kosten in der Tat beträchtlich sind. Da sich Omnivoren und Vegetarier abgesehen von der Ernährung in vielerlei Hinsicht unterscheiden mögen, insbesondere im Ausmaß des Tabakkonsums, der körperlichen Ertüchtigung und des Alkoholkonsums, wurde dies in den für diese Analyse ausgewählten Studien so weit wie möglich berücksichtigt. Solche Versuche der Kontrolle können dazu führen, daß die wahren Unterschiede unterschätzt werden. In Studien von Adventisten können die Unterschiede zwischen Omnivoren und Vegetariern geringer erscheinen, da adventistische Omnivoren in der Regel einen maßvollen Fleischkonsum zeigen. Aufgrund der geringen Unterschiede in der Ernährung zwischen Omnivoren und Vegetariern dieser Gruppe ist es um so bemerkenswerter, daß die Krankheitsprävalenz bei diesen Gruppen so erstaunlich unterschiedlich ausfällt.Noch verschiedene andere Faktoren können bewirken, daß diese Zahlen zu niedrig angesetzt sind. Die vorliegende Analyse läßt Krankheiten unberücksichtigt, für die keine ausreichenden Daten vorliegen. Beispielsweise lassen einige Anhaltspunkte darauf schließen, daß Schlaganfälle, divertikuläre Erkrankungen und rheumatoide Arthritis bei Omnivoren häufiger sind, doch fanden sie bei der vorliegenden Studie keine Berücksichtigung. Die hier angeführten Kosten von Diabetes enthalten nicht die medizinische Versorgung, die in Einrichtungen des Bundes, des Militärs, in solchen für Kriegsveteranen oder in freien Dialyse-Zentren zur Verfügung gestellt wurde; ebenfalls nicht sämtliche ambulanten Versorgungsmaßnahmen für die Folgeschäden von Diabetes, wie Nierenversagen, Katarakte oder Glaukome und die durch nicht diagnostizierten Diabetes erforderlichen Behandlungen. Die Behandlungskosten von Fettleibigkeit oder ihrer Folgen, abgesehen von den oben angeführten Beschwerden, wurden nicht berücksichtigt. Die Kosten für Lebensmittelvergiftung sind niedrige Schätzungen, da in ihnen Krankheitserreger aus Fisch keine Berücksichtigung finden, und weil sich die Studie, auf der unsere niedrigste Schätzung basierte, auf nur fünf infektiöse Organismen beschränkte.
Unsere Zahlen wären zu hoch angesetzt, wenn die Reduzierung des Fleischkonsums oder ein zum Ausgleich vermehrter Verzehr von Obst und Gemüse potentiell nachteilige Wirkungen hätte, die eine ärztliche Versorgung nötig machten. Die existierende Literatur erhärtet derartige Risiken jedoch nicht. Die in diesem Zusammenhang wichtigsten Fragen beziehen sich auf die ausreichende Versorgung mit Pro-Protein, Riboflavin, Vitamin B12, Eisen und Kalzium.
Früher ging man davon aus, daß eine Ernährung auf pflanzlicher Basis eine sorgfältige Planung erfordert, um die Eiweißversorgung sicherzustellen. Heute aber weiß man, daß eine abwechslungsreiche Pflanzenkost, die in einer das Körpergewicht erhaltenden Menge verzehrt wird, den Bedarf an Aminosäuren problemlos deckt, und zwar sogar ohne bewußte Kombination von Nahrungsmitteln.
In westlichen Ländern liefern vegetarische Ernährungsweisen in der Regel ausreichend Riboflavin. Allerdings unterschreitet die durchschnittliche Tageszufuhr von Riboflavin in China (0,8 mg) die empfohlene Tagesdosis (RDA) von 1,2 mg, und in einigen chinesischen Provinzen wird dieser Wert von über 90% der Bevölkerung unterschritten. Es gibt jedoch keine Hinweise auf verbreitete Mangelerscheinungen oder signifikante Behandlungskosten, woraus sich schließen läßt, daß der RDA-Wert möglicherweise zur Sicherheit besonders hoch angesetzt wurde.
Ein Vitamin-B12-Mangel könnte bei Personen, die sich ohne ausreichende Planung rein vegetarisch ernähren, häufiger sein, doch liegen uns keine Hinweise vor, nach denen dieser Faktor bei einer substantiellen Anzahl von Vegetariern eine ärztliche Behandlung erforderlich macht.
Die Absorption von nicht-hämgebundenem Eisen in Pflanzenkost ist niedriger als die von nicht-hämgebundenem Eisen in Fleisch. Ernährungsweisen auf Pflanzenbasis liefern in der Regel jedoch ausreichend Eisen (81, 8385). In westlichen Ländern sind Vegetarier nicht überproportional von Eisenmangel betroffen. Überdies werden eine verminderte Zufuhr von hämgebundenem Eisen und niedrigere Eisenvorräte mit einem geringeren Risiko von Herzerkrankungen, Krebs und anderen Leiden in Verbindung gebracht.
Ein ausgeglichener Kalziumspiegel erfordert sowohl ausreichende Zufuhr als auch minimale Verluste. Grüngemüse und Hülsenfrüchte bieten Kalzium, das von hoher Bioverfügbarkeit ist (Spinat ausgenommen). Daß eine Ernährung auf Pflanzenbasis für eine ausreichende Kalziumzufuhr sorgt, wird von Studien gestützt, die zeigen, daß Bevölkerungsgruppen, die solchen Ernährungsplänen folgen, in der Regel niedrigere Zahlen von Hüftfrakturen aufweisen als solche, deren Ernährung auf tierischen Erzeugnissen basiert - möglicherweise, weil ein verminderter Fleischkonsum mit geringeren Kalziumverlusten durch den Harntrakt in Verbindung gebracht wird.
Pflanzliche Nahrungsmittel können im Vergleich zu Fleisch etwas weniger verwertbares Zink enthalten, aber eine Ernährung auf Pflanzenbasis reduziert gleichzeitig die Zinkausscheidung. Es konnte nachgewiesen werden, daß Zinkzufuhr und Zinkspiegel bei langfristigen Vegetariern ausreichend sind.
Personen, die nicht an Herzerkrankungen, Krebs oder anderen ernsten Krankheiten sterben, können sich andere Krankheiten zuziehen, die eine Behandlung erfordern. Die oben vorgestellten Schätzungen basieren jedoch auf Studien von gegenwärtiger Krankheitsprävalenz, und die Kosten weiterer Krankheiten, die bei älteren Menschen auftreten können, wurden nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus kommen ernährungsbedingte Krankheiten oft gehäuft vor. Fettleibigkeit, Hypertonie, Herzerkrankungen, Krebs und Diabetes treten häufig kombiniert auf. Im Gegensatz dazu erfreuen sich Menschen, die besonders alt werden, oft guter Gesundheit, und wenn der Tod kommt, sind ihm oft keine größeren Krankheiten, die einer Behandlung bedurften, vorausgegangen.
Es sollte darauf hingewiesen werden, daß die Wirkung einer fleischhaltigen Kost nicht ausschließlich auf die Bestandteile von Fleisch selbst zurückzuführen ist. Wenn die Ernährung Fleisch enthält, wird der Konsum pflanzlicher Erzeugnisse notwendigerweise reduziert. Die gesundheitlichen Auswirkungen einer omnivoren Ernährung können sich aus dem Vorhandensein von Fleisch, der Verdrängung von pflanzlicher Kost oder beiden Faktoren gemeinsam ergeben.
Ein beträchtlicher Teil der Kosten im amerikanischen Gesundheitswesen kann genau bestimmbaren Faktoren zugeschrieben werden. Vor allem die durch den Tabakkonsum verursachten Kosten der medizinischen Versorgung beliefen sich im Jahre 1993 auf 50 Mrd. Dollar. Zusammengenommen übertreffen die dem Rauchen und Fleischkonsum zuzuschreibenden medizinischen Kosten die erwarteten Kosten, die eine Krankenversicherung für alle gegenwärtig unversicherten Amerikaner verursachen würde.
Daß Kranksein teuer ist, bedeutet nicht unbedingt, daß die Verhütung dieses Zustands Geld spart. Vorsorgeprogramme verursachen ihre eigenen Kosten, und die gesundheitlichen Vorteile eines Wandels im Lebensstil machen sich unter Umständen erst in der Zukunft bemerkbar. Randomisierte, kontrollierte Tests der Langzeitwirkung fleischloser Ernährung oder des Verzichts auf Tabak wurden noch nie durchgeführt - sie sind auch nicht zu erwarten -, und die Möglichkeiten, Ausgaben im Gesundheitswesen durch solche Interventionen zu reduzieren, sprengen den Rahmen dieses Berichts. Die vorliegenden Daten sind nicht ausreichend, um den Zeitrahmen abzuschätzen, in dem Ernährungsinterventionen gesundheitlichen Nutzen oder wirtschaftliche Einsparungen bewirken können. Die hier vorgestellten Daten zeigen auch nicht, ob sich eine mäßige Reduzierung des Fleischkonsums vorteilhaft auswirken würde oder ob die Wirkung von Präventivmaßnahmen sich bei Männern und Frauen unterscheidet. Neueste Studien, nach denen größere Umstellungen der Ernährung für zumindest einige Menschen vorstellbar wären, lassen Studien der Kostenwirksamkeit von Ernährungsinterventionen um so dringlicher erscheinen.
Zusammenfassung: Eine Fülle von Beweismaterial zeigt, daß dem Fleischkonsum beträchtliche medizinische Kosten zuzuschreiben sind. Weitere Forschung ist nötig, um die Kostenwirksamkeit von Interventionen, die eine Änderung des Ernährungsverhaltens zum Ziel haben, abzuwägen.
- Teil 1: Überblick / Einführung / Methoden
- Teil 2: Ergebnisse
Deutsche Übersetzung von Marcel Fischer
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